Berg/Leoni (Starnberger See/Bayern) - Spezialisten des Rettungswesens und Katastrophenschutzes übten im Rahmen einer großen Katastrophenschutzübung des Landkreises Starnberg am Samstag den 26.04.08 die professionelle Abwicklung eines Massenanfalles von Verletzten (MANV) im Rahmen einer Explosion/eines Brandes auf einem Fahrgastschiff der staatlichen Seenschifffahrt.
Ziel der Übung war es, die Katastrophenschutzstrukturen des Landkreises zu überprüfen und auch parallel auftretende Ereignisse durch die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) des Landkreises Starnberg bewältigen zu lassen. Daher wurde neben einer Bombendrohung im IVG-Tanklager in Krailling mit anschliessender (planspieltechnischen) Evakuierung von ganzen Stadtteilen auch kurz darauf eine Realübung am Starnberger See eingespielt und abgewickelt.
Bereits gegen 7 Uhr machten sich die rund 130 Mimen von Feuerwehren, BRK, Jugendgruppen der weitläufigen Umgebung auf den Weg. Sie wurden auf einem Fahrgastschiff der staatlichen Seenschiffahrt in Starnberg aufgenommen und dann entsprechend geschminkt. Das Schiff machte sich dann auf dem Starnberger See auf den Weg.
Um kurz vor halb 10 wurde schließlich durch die Integrierte Leitstelle Fürstenfeldbruck (ILS-FFB) auf einen MANV II (der initialen höchsten Alarmstufe) alarmiert. Meldung war eine starke Rauchentwicklung und eine unklare Anzahl von Verletzten/Betroffenen nach Explosion und nun Brand auf einem Fahrgastschiff auf dem Starnberger See zwischen Berg und Leoni in Seemitte.
Die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) des Landkreises Starnberg war aufgrund eines gegen 8:00 Uhr angelaufenen Übungseinsatzes bereits in Dienst gestellt (Bombendrohung im IVG-Tanklager Krailling als theoretische Übung mit angenommener Evakuierung von Stadtteilen und Autobahnsperrungen etc.).
Für den Einsatz am Starnberger See wurde ein
örtlicher Einsatzleiter (ÖEL - Kreisbrandrat Markus Reichart)
und eine
Sanitätseinsatzleitung (SanEL - Walter Kohlenz (OrgL) und Dr. Cornelius Neumann-Mangoldt (LNA)) eingesetzt.
Der Standort der Einsatzleitung war die Pionierschule der Bundeswehr in Percha.
Die Einheiten der Wasserrettung hatten folgende Aufgabe:- Retten der Verletzten und Betroffenen vom havarierten Fahrgastschiff
- medizinische Versorgung der Verletzten bis Eintreffen an Land
- Zubringen der Verletzten und Betroffenen an die Übergabestelle Wasser <-> Landrettung
- Absicherung der Wasserseite
- ggf. Einsatz von Rettungstauchern
(verantwortlich: Einsatzleiter Wasserrettung - Roland Schwankhart)
Die Einheiten des Rettungs-/Sanitäts-/und Betreuungsdienstes hatten folgende Aufgaben:Rettungsdienst:- Aufbau und Betrieb einer strukturierten Verletztenablage im Schadengebiet bzw.
nach der Übergabestelle Wasserrettung <-> Landrettung - Sichtung/Triage im Schadengebiet und Erkennung der T1-Patienten ("rote Patienten")
- Herausfiltern der T1-Patienten und schnellstmöglicher Abtransport direkt in weiterführende Versorgung
(verantwortlich: Einsatzleiter RD - Jörg Seltmann)
Sanitätsdienst und Betreuungsdienst:- Aufbau und Betrieb einer Verletztensammelstelle (VS25) inkl. Sichtung/Triage
- Aufbau und Betrieb eines Behandlungsplatzes (BHP50) inkl. Sichtung/Triage
- Organisation des Krankenkraftwagenhalteplatzes (zusammen mit UG-SanEL) mit Einsatzmittelzuteilung für Patienten
- Aufbau einer Betreuungsstelle für Betroffene.
(verantwortlich: Einsatzleiter San/BtD - Markus Grasl)
Bettenzuteilung und Transport in das Krankenhaus:- Zuteilung der entsprechenden Zielklinik pro Rettungsmittel
(verantwortlich für die Bettenzuteilung: ILS-FFB)
- Transport der Verletzten unter rettungsdienstlich-medizinischer Versorgung in weiterführende Versorgungseinrichtungen
(verantwortlich: jeweilige Rettungsmittelbesatzung)
SEG Zug- und Gruppenführung besprechen die Lage am Kommandowagen und im Einsatz
Lageeinweisung und Befehlsgabe durch die SEG-Gruppenführer an die Einsatzkräfte ihrer Gruppen
Eintreffen der Rettungsboote von DLRG und WasserwachtAtemschutztrupps räumen die verrauchten Bereiche und löschen den BrandPatientenübergabe vom Fahrgastschiff an Rettungsboote von DLRG und Wasserwacht
notfallmedizinische Patientenversorgung während der Fahrt vom Dampfer zur Verletztenablage an Land
Patientenübergabe von Rettungsbooten an die Verletztenablage
Patientenübergabe Wasser <-> Landrettung (Verletztenablage)Verletztenablage und Transport der Patienten zur Verletztensammelstelle/Behandlungsplatz
AB-San50 beim absatteln für Bestückung der Verletztensammelstelle und 12 RTW-Teams und 6 NEF zur
Patientenversorgung im Schadengebiet (Verletztenablage) sowie zum Direkttransport der ersten T1-PatientenSichtung und Behandlung an der Verletztensammelstelle (VS25)
Patientenversorgung an der Verletztensammelstelle (VS25)Entladen des Gerätewagen Sanitätsdienst (GW-San50) für den Aufbau des Behandlungsplatzes (BHP50)
Aufbau der Behandungszelte für den Behandlungsplatz (BHP50)Sichtungs-/Triage-Bereich am Eingang des Behandlungsplatzes (BHP50)
Verletztenablage, -sammelstelle (VS25) und Behandlungsplatz (BHP50) von Seeseite zu sehen
Tranportübernahme eines T2-Patienten durch den RD am Behandlungsplatz

Patientenausregistrierung am Ausgang des BHP50 und Abtransport ins Krankenhaus
Auch am Einsatz beteiligt: Feuerwehrboote aus Tutzing und Starnberg sowie Wasserschutzpolizei Starnberger See

Mimen stellen die Schadenslage für die Einsatzkräfte realitätsnah dar

Mit Hilfe einer Bundeswehr-Taucherplattform werden Unverletzte vom Fahrgastschiff übernommen
Rund 1 1/2-Stunden nach Alarm hat der letzte Patient den Behandlungsplatz verlassen und ist auf dem Weg ins Krankenhaus.
T1-Patienten ("rote Patienten") werden bereits an der Verletztenablage durch den dortigen Abschnittsleiter registriert und
- soweit möglich - an RTW-Besatzungen und Notärzte zugeteilt, so dass diese direkt abtransportiert werden können und nicht erst über die Verletztensammelstelle und/oder Behandlungsplatz geschleust werden.
Das Behandlungsplatzkonzept, die neue Alarm- und Ausrückeordnung (AAO) sowie der neu strukturierte Ablauf der MANV-Versorgung im Landkreis Starnberg haben sich ganz offensichtlich bestens bewährt. Bei diesem "Einsatz" wurden sämtliche neuen Teilkonzepte erstmals im Gesamtkontext beübt - eine Premiere für alle Beteiligten. Die Übung hat viele wichtige Erkenntnisse gebracht, in welchen Bereichen man das Gesamtsystem weiter optimieren kann.
Dies ist eine von wenigen Übungen, die nicht abgebrochen wurde, als es zum Abtransport kommen sollte. Der Übungseinsatz für den Rettungs-/Sanitätsdienst ist erst beendet worden, als der letzte Patient das (Übungs-)Krankenhaus erreicht hat.
Die regulären Rettungsmittel an den Rettungswachen der öffentlichen Vorhaltung sind nicht abgezogen worden, sondern für den Ernstfall weiter vorgehalten. Um aber deren Einsatz im Realfall korrekt zu simulieren, wurden zusätzliche Fahrzeuge von benachtbarten/befreundeten Hilfsorganisationen an den Rettungswachen stationiert und sind unter Realbedinungen die Einsatzstelle angefahren.
In den kommenden Wochen wird die Übung komplett ausgewertet und zur weiteren Optimierung der Aus- und Fortbildung der Einsatzkräfte verwandt.
Pressespiegel:
Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 28.04.2008 (link anklicken!)Bericht des Münchner Merkur (Starnberger Merkur) vom 28.04.2008 (link anklicken!)Bericht des Streitkräfteunterstützungskommando der Bundeswehr (link anklicken)Bericht aus "Bayern Aktuell" - dem offiziellen Mitteilungsorgan der DLRG-Bayern (link anklicken!)Anbei eine Auswahl zu den uns bekannten Webseiten (externe Links!) der beteiligten Einheiten: